Arbeitskreis Jodmangel klärt über verbreitete Fehlinformation auf
Frankfurt, 28.04.2026– Rund um den Weltschilddrüsentag am 25. Mai rückt die Schilddrüsengesundheit in den Fokus. Eine entscheidende Rolle spielt dafür eine ausreichende Jodversorgung. Jod ist ein essenzieller Bestandteil der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3), die zentrale Stoffwechselprozesse, das Wachstum und kognitive Funktionen steuern. Gleichzeitig stellt sich für viele die Frage, wie es um die eigene Jodversorgung steht. Im Internet kursieren zunehmend Angebote, den eigenen Jodstatus mithilfe einfacher Urintests zu ermitteln. Der Arbeitskreis Jodmangel (AKJ) warnt jedoch vor Fehlinterpretation: Eine verlässliche Bestimmung der eigenen Jodversorgung ist mit solchen Methoden nicht möglich. „Einzelne Urinmessungen sind für die Beurteilung des individuellen Jodstatus nicht geeignet“, sagt Prof. Dr. Thomas Remer, Ernährungswissenschaftler und 2. Vorsitzender des AKJ. „Hier werden Verbraucherinnen und Verbraucher häufig in die Irre geführt.“
In Studien wird die Jodversorgung von Bevölkerungsgruppen über die Jodausscheidung im Urin bestimmt – allerdings auf Basis großer, repräsentativer Stichproben. Für Einzelpersonen ist diese Methode nicht aussagekräftig. „Die Jodausscheidung im Urin schwankt stark, abhängig davon, was kurz zuvor gegessen wurde sowie von der Flüssigkeitszufuhr“, erklärt Prof. Remer. „Eine einzelne Messung spiegelt daher nur eine Momentaufnahme wider, nicht aber die tatsächliche Versorgungssituation.“ Selbst der sogenannte Goldstandard, die Messung der Jodausscheidung im 24-Stunden-Urin, liefert nur dann eine verlässliche Aussage zum individuellen Jodstatus, wenn mehrere Messungen durchgeführt werden.
Schilddrüsenwerte können Hinweise geben
Auch das klassischerweise gemessene Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH) ist kein direkter Marker für die Jodversorgung. Es zeigt in erster Linie die Stimulierbarkeit der Schilddrüse an, nicht jedoch die Jodzufuhr. Hinweise kann jedoch die Bestimmung der freien Schilddrüsenhormone liefern. „Ein freies T4 im mittleren Normalbereich spricht in der Regel für eine ausreichende Jodversorgung“, so Prof. Remer. „Zudem blickt man auf das Verhältnis der freien Schilddrüsenhormone zueinander. Ein niedrig-normaler fT4-Wert bei gleichzeitig eher hohem fT3-Wert kann hingegen auf einen Jodmangel hindeuten. Vorausgesetzt, andere Ursachen sind ausgeschlossen.“
Eigene Ernährung ist entscheidend
Da es keinen einfach anwendbaren Labortest oder Messwert für den individuellen Jodstatus gibt, kommt der Ernährung eine zentrale Bedeutung zu. Eine ausreichende Jodversorgung lässt sich vor allem durch den regelmäßigen Verzehr jodreicher Lebensmittel erreichen – etwa Seefisch, Milch und Milchprodukte, Eier sowie durch die Verwendung von jodiertem Speisesalz und damit hergestellten Produkten. Personen, die bestimmte Lebensmittelgruppen meiden – etwa im Rahmen einer veganen Ernährung oder aufgrund von Unverträglichkeiten – haben ein erhöhtes Risiko für eine unzureichende Jodzufuhr. „Das Führen eines Ernährungstagebuchs über einen gewissen Zeitraum kann helfen, die eigene Jodversorgung besser einzuschätzen. Ob eine ergänzende Einnahme von Jodtabletten sinnvoll oder gar notwendig ist, sollte ärztlich unter Berücksichtigung des Schilddrüsenhormonstatus abgeklärt werden“, betont Prof. Remer.
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