Deutschland kocht zuhause und greift zum Jodsalz 

Jodversorgung in Deutschland: Haushalte engagiert, Lebensmittelwirtschaft zögerlich 

Frankfurt, 30.09.2025 – Drei von vier Menschen (74 Prozent) in Deutschland kochen überwiegend oder ausschließlich zuhause – und fast die Hälfte (48 Prozent) greift dabei regelmäßig oder ausschließlich zu Jodsalz. Das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Verbraucherumfrage* des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag des Arbeitskreises Jodmangel e. V. (AKJ). „Das ist eine erfreuliche Entwicklung, denn Jodsalz ist eine wichtige Säule der Jodversorgung“, sagt Prof. Roland Gärtner, Endokrinologe und 1. Vorsitzender des AKJ. „Allerdings reicht der Einsatz in privaten Haushalten allein nicht aus. Vor allem in der Lebensmittelproduktion sehen wir großen Nachholbedarf.“ 

Die Umfrage zeigt: 42 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Mahlzeiten überwiegend zuhause gekocht oder zubereitet werden (fünfmal oder öfter pro Woche), 31 Prozent kochen sogar ausschließlich zuhause. Spitzenreiter sind die über 55-Jährigen: In dieser Altersgruppe gaben 39 Prozent an, ausschließlich zuhause zu kochen. Auch beim Einsatz von Jodsalz zeigt sich ein erfreuliches Bild: 26 Prozent verwenden es regelmäßig, weitere 22 Prozent ausschließlich – zusammen fast die Hälfte der Verbraucherinnen und Verbraucher (48 Prozent). Lediglich 11 Prozent greifen überhaupt nicht zu Jodsalz. „Jodsalz ist neben jodreichen Lebensmitteln wie Seefisch und Milchprodukten eine zentrale Komponente für eine ausreichende Jodversorgung“, betont Prof. Gärtner. „Doch den größten Teil der Salzzufuhr nehmen die Menschen über verarbeitete Lebensmittel auf – und genau dort wird Jodsalz viel zu selten eingesetzt.“ 

Lebensmittelindustrie und -handwerk nutzen zu wenig Jodsalz 

Daten der Universität Gießen** zeigten, dass bei weniger als 30 Prozent der mit Salz hergestellten Lebensmittel tatsächlich Jodsalz eingesetzt wird. Fleisch- und Wurstwaren lagen mit einem Anteil von 47 Prozent an der Spitze, gefolgt von Backwaren mit nur 10 Prozent. Auch die jüngsten Ergebnisse des Produktmonitoring des Max Rubner-Instituts bestätigen die geringe Verwendung von Jodsalz: In kalten Soßen wurde nur bei 1,3 Prozent der Produkte Jodsalz eingesetzt, bei Fleisch- und Wurstersatzprodukten lag der Anteil bei 5,7 Prozent – in Bio-Produkten sogar noch darunter. Für eine ausreichende Jodversorgung müsste der Verwendungsgrad in der Lebensmittelindustrie und im Handwerk laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)**** auf deutlich über 30 Prozent steigen – mit gleichzeitig erhöhtem Jodgehalt im Speisesalz. 

BfR-Modellszenarien zeigen Verbesserungsmöglichkeiten 

„Entsprechende Modellszenarien des BfR zeigen klar, dass mehr Einsatz von Jodsalz in der Lebensmittelproduktion und ein höherer Jodierungsgrad im Speisesalz die Jodversorgung in Deutschland spürbar verbessern könnten“, so Prof. Gärtner. „Für Verbraucherinnen und Verbraucher gilt, wenn Salz, dann Jodsalz – am besten regelmäßig in der heimischen Küche und beim Einkauf auf die Zutatenliste achten.“ Er betont zugleich, dass neben den privaten Haushalten vor allem die Lebensmittelwirtschaft und das Handwerk gefordert seien, den Einsatz von Jodsalz deutlich auszuweiten. Nur so könne es gelingen, die Jodversorgung in Deutschland nachhaltig zu verbessern. 

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Quellen: 

*Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 26. und 28.03.2025 insgesamt 2131 Personen befragt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.  
** Bissinger K, et al. (2019) Repräsentative Markterhebung zur Verwendung von Jodsalz in handwerklich und industriell gefertigten Lebensmitteln. Abschlussbericht zum Forschungsprojekt zur Bereitstellung wissenschaftlicher Entscheidungshilfe für das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). 
*** Max Rubner-Institut – Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel (2025): Ergänzende Auswertungen zum Produktmonitoring 2024: Verwendung von Jodsalz in kalten Soßen sowie Fleischersatz- und Wurstersatzprodukten. Karlsruhe. DOI: 10.25826/20250307-163801-0 
**** Bundesinstitut für Risikobewertung – BfR (Hrsg.) (2021) Rückläufige Jodzufuhr in der Bevölkerung: Modellszenarien zur Verbesserung der Jodaufnahme. Stellungnahme Nr. 005/2021, https://www.bfr.bund.de/cm/343/ruecklaeufige-jodzufuhr-in-der-bevoelkerung-modellszenarien-zur-verbesserung-der-jodaufnahme.pdf 
****Bundesinstitut für Risikobewertung – BfR (Hrsg.) (2021) Rückläufige Jodzufuhr in der Bevölkerung: Modellszenarien zur Verbesserung der Jodaufnahme. Stellungnahme Nr.005/2021, https://www.bfr.bund.de/cm/343/ruecklaeufige-jodzufuhr-in-der-bevoelkerung-modellszenarien-zur-verbesserung-der-jodaufnahme.pdf  

Presseinformationen

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Telefon: 069 / 2470 6796
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