Wie viel Jod bei Schilddrüsenerkrankungen?

Leserfrage:

Frage von Claudia B. aus Regensburg an Professor Dr. Roland Gärtner, Internist und Endokrinologe an der Universität München sowie Vorsitzender des Arbeitskreises Jodmangel e.V.:

Meine Freundin hat mir erzählt, dass man bei Erkrankungen der Schilddrüse keine Lebensmittel mit Jod essen soll und keine Jodtabletten einnehmen darf. Ist das richtig?

„Es gibt keine Schilddrüsenerkrankung, bei der es notwendig ist, vollständig auf Jod zu verzichten. Jod ist ein lebensnotwendiges Spurenelement. Der tägliche Jodbedarf liegt bei Erwachsenen bei wenigstens etwa 100 Mikrogramm. Die Empfehlungen der Ernährungsgesellschaften, etwa 200 Mikrogramm täglich, liegen bewusst höher und schließen verschiedene Sicherheitszuschläge ein. Als unverzichtbarer Bestandteil der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) steuert Jod unter anderem den Energiestoffwechsel, Herzrhythmus, Blutdruck, das Wachstum und die Gehirnentwicklung. Das strikte Meiden von Jod ist somit nicht sinnvoll – auch nicht bei Schilddrüsenerkrankungen – und kann für den Körper zum Problem werden.

Die Schilddrüse kann an einer Über- oder Unterfunktion (Hyper- oder Hypothyreose) erkranken, d.h. das Organ produziert entweder zu viel oder zu wenig Hormone. Bei Schilddrüsenüberfunktionen wie Morbus Basedow, einer Autoimmunerkrankung, oder heißen Knoten, die meist durch einen jahrzehntelangen Jodmangel ausgelöst werden, ist die durchschnittliche Jodaufnahme der deutschen Bevölkerung von etwa 120 Mikrogramm pro Tag über die Ernährung unbedenklich. Diese erfolgt beispielsweise in Form von Seefisch, Milch und Milchprodukten oder Jodsalz. Lediglich auf eine erhöhte Jodzufuhr (über 300 Mikrogramm pro Tag) zum Beispiel über Jod- und Algentabletten sowie algenhaltige Speisen, u.a. Sushi, sollte dann aber verzichtet werden. Die gleichen Empfehlungen gelten auch für Schilddrüsenunterfunktionen aufgrund einer Autoimmunthyreoiditis (Hashimoto-Thyreoiditis) oder nach einer Operation der Schilddrüse.

Auch bei Patienten mit einer Schilddrüsenvergrößerung (Kropf, Struma) deren Ursache hauptsächlich Jodmangel ist, steht dem Verzehr von jodhaltigen Nahrungsmitteln sowie Jodsalz nicht nur nichts entgegen. Im Gegenteil, hier wäre eine angemessene Jodzufuhr mit zusätzlich jodreichen Speisen wie Algen oder auch Jodtabletten sinnvoll, speziell in jungen Jahren.

Besonders kritisch ist die Fehlinformation, Frauen müssten aufgrund ihrer Autoimmunthyreoiditis während der Schwangerschaft und in der Stillzeit auf Jod verzichten. Jod verstärkt nicht die Entzündungsreaktion der Mutter, aber eine ausreichend hohe Zufuhr ist unabdingbar für die optimale Entwicklung von ungeborenen Kindern und Säuglingen – wie zahlreiche Studien belegen. Rund um Schwangerschaft und Stillzeit sollten deshalb auch Frauen, bei denen eine Autoimmunthyreoiditis diagnostiziert wurde, ab der zwölften Schwangerschaftswoche Jodtabletten einnehmen. Bei einer manifesten Schilddrüsenüberfunktion muss diese natürlich kausal behandelt werden und zusätzliches Jod ist nicht notwendig, da es die überschießende Schilddrüsenproduktion eher fördert. Das bedeutet aber nicht, dass man eine Überfunktion mit Jodverzicht behandeln sollte, sondern entsprechend der nationalen und internationalen Leitlinien spezifisch durch einen Arzt. Da Frauen mit Hyperthyreose meist nicht schwanger werden, entstehen hier bei etwaiger geringerer Jodzufuhr keine Probleme.“

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Arbeitskreis Jodmangel e.V.
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Laura Zimmer, Dirk Fischer, Daniel Schwind
Leimenrode 29, 60322 Frankfurt
Telefon: 069 / 2470 6796
Fax: 069 / 7076 8753
E-Mail: ak@jodmangel.de
www.jodmangel.de

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