Was kann ich selbst für eine ausreichende Jodversorgung tun?
Dr. troph. Claudia Küpper: Die erste Priorität hat der Verzehr
von jodreichen Lebensmitteln. Sie sollten also zwei Mal wöchentlich
Seefisch und täglich Milch und Milchprodukte essen. Bei der Zubereitung
von Speisen sollte ausschließlich Jodsalz verwendet werden und beim
Einkauf sind Lebensmittel mit Jodsalz, wie beispielsweise Brot,
Wurst oder Fertigprodukte, zu bevorzugen.
Welche gesundheitlichen Folgen kann ein Jodmangel haben?
Prof. Dr. med. Klaus Mann: Ein stärker ausgeprägter Jodmangel kann
zu einem Kropf führen. Die Problematik beginnt häufig in der Jugend,
bleibt aber ein Leben lang bestehen. Durch die bessere Jodversorgung
hat sich die Situation in Deutschland aber erheblich verbessert, so dass
heute eine Unterfunktion der Schilddrüse infolge eines ausgeprägten und lange
bestehenden Jodmangels nicht mehr vorkommt.
Wie werden Schilddrüsenerkrankungen diagnostiziert?
Prof. Mann: Schilddrüsenfehlfunktionen können über die Bestimmung der
Schilddrüsenhormonwerte im Blut diagnostiziert werden. Ein Kropf kann zuerst
ertastet und durch eine Ultraschalluntersuchung zweifelsfrei erkannt werden.
Auch Knoten werden bei der Ultraschalluntersuchung entdeckt und mit Hilfe einer
Szintigraphie weiter untersucht. Die Szintigraphie kann anzeigen, ob es sich um
heiße oder kalte Knoten handelt.
Wie kann ich selbst erkennen, ob ich eine vergrößerte Schilddrüse oder einen Kropf habe?
PD Dr. Joachim Feldkamp: Stellen Sie sich vor den Spiegel, nehmen Sie einen Schluck Wasser
in den Mund und beobachten Sie den Schluckvorgang. Wenn Sie eine Schwellung unterhalb des
Kehlkopfs bemerken, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen.
Welcher Arzt ist der richtige Ansprechpartner bei Schilddrüsenerkrankungen?
Prof. Mann: Der erste Ansprechpartner ist der Hausarzt. Wenn nötig, kann er Sie an Spezialisten
überweisen. Hier sind in erster Linie die Endokrinologen und Nuklearmediziner zu nennen.
Wie werden Kropf und Schilddrüsenknoten behandelt?
PD Dr. Feldkamp: In den meisten Fällen reicht die Einnahme von Jodtabletten aus,
zum Teil auch gemeinsam mit Schilddrüsenhormonen. Führt ein vergrößerter Kropf zu einem
starken Druckgefühl oder Schluckstörungen oder aber besteht der Verdacht auf Bösartigkeit,
kann eine Operation notwendig werden. Eine Radiojodtherapie bietet sich an, wenn heiße Knoten
mit einer Überfunktion vorliegen.
Ich bin schwanger, habe ich jetzt einen erhöhten Jodbedarf?
Dr. Küpper: Ja, während der Schwangerschaft ist der Bedarf an Jod erhöht, in der Stillzeit
sogar stark erhöht. Bei unzureichender Jodversorgung der Mutter besteht das Risiko eines angeborenen
Kropfes beim Säugling. Schwangere und Stillende sollten deshalb Jodtabletten in einer Standarddosierung
von 100 Mikrogramm pro Tag einnehmen, dies aber zuvor mit ihrem Haus- oder Frauenarzt abklären.
Eine Störung der Gehirnreifung, Entwicklungsstörungen, Hör- und Sprachstörungen des Säuglings können
die Folgen einer unbehandelten Schilddrüsenunterfunktion der Schwangeren sein.
Meine Tochter ist jetzt 13 und ich habe gelesen, dass Jugendliche besonders auf ihre Jodversorgung achten müssen. Stimmt das?
Dr. Küpper: Jugendliche in der Pubertät haben bereits denselben Jodbedarf wie Erwachsene, ernähren sich aber
unter Umständen sehr einseitig, so dass es leicht zu einem Mangel kommen kann. Probleme können auch bei jungen
Mädchen auftreten, die besonders auf ihre schlanke Linie achten. Dabei müssen Mädchen aufgrund ihrer hormonellen
Umstellung verstärkt auf eine ausreichende Jodversorgung achten. Hier bieten sich ebenfalls in Absprache mit
dem Arzt Jodtabletten an.
Ist Jodsalz auch bei älteren Menschen noch empfehlenswert?
Dr. Küpper: Grundsätzlich müssen auch ältere Menschen ihren Jodbedarf über die Ernährung abdecken. Das
heißt auch Jodsalz ist hier unbedenklich und kann im Haushalt regelmäßig verwendet werden. In Situationen mit
einer Schilddrüsenüberfunktion sollte auf Jodtabletten, Algenpräparate oder Nahrungsergänzungsmittel mit Jod
verzichtet werden.
Ich leide an einer Überfunktion der Schilddrüse. Ist Jodsalz schädlich für mich?
PD Dr. Feldkamp: Das im täglichen Haushalt verwendete Jodsalz führt nicht zu einer Verschlechterung
der Erkrankung. Auch der gelegentliche Verzehr von Seefisch ist unproblematisch. Eine Behandlung mit
Jodtabletten sollte allerdings nicht erfolgen.
Sind Produkte aus Meeresalgen geeignet, um einem Jodmangel vorzubeugen?
Dr. Küpper: Nein, denn Produkte aus Meeresalgen und Seetang haben zum Teil einen Jodgehalt, der
100-fach oder mehr über unserem Jodtagesbedarf liegen kann. Unser Schilddrüsenstoffwechsel ist nicht
an so hohe Dosen des Spurenelements angepasst.
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Prof. Dr. med. Klaus Mann, Direktor der Klinik für Endokrinologie, Zentrum für Innere Medizin, Universität Duisburg-Essen und Vorsitzender der Leitlinienkommission der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) |
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Dr. troph. Claudia Küpper, Ernährungswissenschaftlerin, Köln |
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PD Dr. Joachim Feldkamp, Endokrinologe, Chefarzt der Klinik für allgemeine Innere Medizin der Städtischen Kliniken Bielefeld |
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