Etwa 85 Prozent aller Haushalte in Deutschland verwenden heute Jodsalz oder
Jodsalz mit Fluorid. Mit einem Anteil von über 80 Prozent sind diese
beiden Salzarten somit die meistgekauften Haushaltssalze. Die hohe Akzeptanz
für Jodsalz zeigt sich aber nicht nur im Privatbereich, sondern auch
in der Gemeinschaftsverpflegung, in Bäckereien und Fleischereien, wo
ebenfalls die Mehrzahl der Betriebe Jodsalz verwendet. Erstmals bundesweit
in Haushaltspackungen angeboten wurde Jodsalz 1981, seit 1989 darf es in Großgebinden
bzw. als lose Ware auch in Großküchen, Restaurants und in der gewerblichen
und industriellen Lebensmittelherstellung eingesetzt werden.
Erfolgreiche Prävention durch Jodsalz
Professor Peter C. Scriba vom Arbeitskreises Jodmangel zog deshalb
in Dresden auch eine positive Bilanz der über zwanzigjährigen Aufklärungskampagne
für jodiertes Speisesalz. "Es gilt nun, die erzielten Erfolge nachhaltig
zu sichern und weiter auszubauen", fordert Scriba. Er appelliert dabei
vor allem an Unternehmen der Lebensmittelindustrie und der Fast-Food-Verpflegung
auf breiterer Ebene dieses Salz einzusetzen nach dem Motto: Wenn Salz - dann
Jodsalz. Erst wenn in etwa drei Viertel aller industriell oder gewerblich
hergestellten Lebensmittel Jodsalz verwendet wird, kann von einer ausreichenden
Jodversorgung der Gesamtbe-völkerung ausgegangen werden.
Von der verbesserten Jodversorgung profitieren vor allem Kinder und Jugendliche,
bei denen heute nur noch bei etwa einem Drittel leicht vergrößerte
Schilddrüsen festgestellt werden. Im Gegensatz dazu hatten einer Studie
zufolge zu Beginn der neunziger Jahre nahezu alle Schulkinder eine doppelt
so große Schilddrüse wie schwedische Kinder, die schon damals gut
mit Jod versorgt waren.
Anders sieht es bei Erwachsenen aus, die im Jodmangel aufgewachsen sind und
zeitlebens mit dessen Folgen leben müssen. Hier hat nach der Papillon-Studie
noch jeder Dritte eine vergrößerte Schilddrüse, Knoten oder
beides. "Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass die jetzt nachwachsende
Generation nicht erneut von einem Jodmangel betroffen wird und den Jodmangel
in unserer Nahrung nachhaltig ausgleichen" fordert Scriba.
Schwangere und Stillende brauchen Jod für zwei
Auf eine gute Jodversorgung sollten vor allem Schwangere und Stillende achten,
empfiehlt Professor Roland Gärtner von der Universitätsklinik
München auf der gleichen Veranstaltung. Ihren erhöhten Bedarf, den
sie mit dem heranwachsenden Kind teilen müssen, können sie mit der
Nahrung allein nicht decken. Deshalb sollten während dieser Zeit täglich
zusätzlich 100 bis 150 Mikrogramm Jod in Tablettenform eingenommen werden.
Schwerwiegende Folgen für Mutter und Kind sind vor allem dann möglich,
wenn die Jodversorgung bereits vor der Schwangerschaft unzureichend war und
auch während der Schwangerschaft nicht genügend Jod aufgenommen
wird. Schwangere laufen dann Gefahr, dass sich ihre Schilddrüse vergrößert
und evtl. zusätzlich eine Unterfunktion entsteht oder dass sich Knoten
bilden. Beim Kind können körperliche und geistige Entwicklungsstörungen
ebenso die Folgen sein wie ein niedrigerer Intelligenzquotient, der sich im
späteren Leben bemerkbar macht.
Milch, Seefisch und Jodsalz schützen vor Jodmangel
Gute Jodlieferanten sind neben Seefisch und Jodsalz heute auch Milch und Milchprodukte,
und zwar auf Grund der tierbedarfsgerechten Jodierung von Mineralstoffmischungen
für Kühe. Dies hat nach Professor Gerhard Jahreis von der
Universität Jena zur Folge, dass mit einem Liter Milch mehr als 100 Mikrogramm
Jod - das entspricht dem halben Tagesbedarf - aufgenommen werden. Milch und
Milchprodukte tragen in Deutschland derzeit bereits zu ca. 40 Prozent zur
Gesamtaufnahme an Jod bei.
Am meisten Jod enthalten nach wie vor Seefische, deshalb sollten auch diese
regelmäßig auf dem Speiseplan stehen. Wer dann noch im Haushalt
Jodsalz verwendet und beim Einkaufen mit Jodsalz hergestellte Lebensmittel
bevorzugt, hat dem Ernährungswissenschaftler zufolge gute Chancen, seine
Schilddrüse vor Jodmangelkrankheiten zu schützen. Um die Jodzufuhr
kontrollieren zu können, sollte Jod ausschließlich über Speisesalz
zugeführt werden. Ferner fordert der Experte regelmäßige Studien
zur Überwachung der Jodversorgung, um sowohl einen Jodmangel als auch
einen Jodüberschuss zu vermeiden.
- AKJ -